Gim - Generationen im Museum

GiM-Anlass

20. Februar 2016, 09:00

Führungen im Museum

Klostermuseum Müstair

Die FührerInnen des Klostermuseums besuchen den Kurs 'Das kleine ABC der Führungen im Museum' Zum Einstieg gibt es einen kurzen GiM live Anlass. Die Teilnehmenden lernen einander und gleichzeitig GiM kennen. Es ist ein interner Anlass, der über ICOM aber auch für das eigene Museum gebucht werden kann.

 

Klostermuseum Müstair

Zwölf Jahrhunderte Kloster- Bau- und Kunstgeschichte.

Das Klostermuseum befindet sich im Plantaturm, einem über tausend Jahre alten Wohn- und Fluchtturm. Es ist eine Zeitreise durch 1200 Jahre Kloster- und Baugeschichte. Das Museum gibt Einblick ins Kloster und das Leben der Benediktinerinnen einst und heute. Zu besichtigen sind der Kreuzgang, der mächtige Keller und die drei Obergeschosse mit den Repräsentations- und Wohn-, Schlaf- und Gebetsräumen. Ebenfalls sind archäologische Funde, kunsthistorische Schätze und Juwelen aus dem Besitz des Klosters ausgestellt. 


CH-7537 Müstair

T +41 81 851 62 28

 

8 Geschichten
Blumenpresse, Wäschemangel oder Speicher für Korn und Mehl?

Worum handelt es sich hier? Um eine überdimensionale Blumenpresse, eine Wäschemangel, einen Speicher für Korn oder Mehl? Das sind super Ideen, aber in Wirklichkeit war es einmal ein Blasbalg für die Kirchenorgel, die 1947 gebaut wurde. Es ist offensichtlich, dass solche Bälge nicht mehr praktikabel waren, denn damals mussten sie noch mit den Füssen getreten werden. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass dies eine schwierige Aufgabe war. Vor allem bei einem Hochamt, wenn die Organistin ein Forte spielen soll brauchte es viel Luft und für viel Luft braucht man natürlich auch viel Kraft. So liessen sich die Schwestern einen moderneren Blasbalg in der Klausur installieren und Sie entschlossen sich unter strenger Aufsicht eine exakte Kopie vom Klosterschreiner nachbauen zu lassen. Sie werden überrascht sein, zu hören dass diese Kopie heute als Geheimdepot für die Zigaretten und Kaugummis der Schwestern dienen. Wir dürfen nicht vergessen, auch wenn die Schwesterngemeinschaft Ihre Gelübde abgelegt haben, bleiben Sie trotzdem Menschen mit Ihren Bedürfnissen. In Übereinstimmung mit den Vorschriften der Gemeinschaft ist es Ihnen erlaubt gemütlich eine Zigarette zu gen

Petra und Katherine,


Ein Herz im Klostermuseum

Das Museum, im Jahre 2003 eröffnet, wurde vom Architekten Altling relativ nüchtern gehalten. Am Ende des Rundganges aber setzte er einen Kontrast: ein eingelassenes Herz im Mörtelboden vor dem Blasbalgen. Laut Vorgaben des Museumskonzeptes sammeln die FührerInnen die Gruppe bei jenem Herz und verabschieden sich auf eine herzliche Art und Weise, dabei wird auf das Herz verwiesen. Aus der Sicht des Museums: Der Name des Architekten ist Jüngling und das Herz ist Zufall… aber ein schöner Zufall.

Karin,


Ein Besucher, der einen bleibenden Eindruck hinterliess

Als die Arbeiter den Mörtelboden ausbesserten, sperrten sie am Abend die Baustelle im Plantaturm gut ab. Doch in der Nacht verschaffte sich trotzdem jemand Zutritt, ein Marder zwängte sich durch eine kleine Öffnung. Er schlich den Gang entlang und wäre mit seinen Pfoten fast im nassen Mörtel stecken geblieben. Mit seiner guten Nase erschnupperte er den Geruch von Kartoffelsuppe aus dem Esszimmer. Leider hatten die Nonnen aber schon alles gegessen, dem Marder blieb nichts übrig als ein paar Brotkrumen unter dem Tisch, die er gierig aufschleckte. Sein Magen knurrte immer noch, als er aus der Räucherkammer einen leckeren Duft aufspürte: Fleisch! Schnell huschte er um die Ecke und kletterte über den Fliegenkasten zu den Haken, biss die Schnüre durch und frass so viel Salsiz, bis er fast platzte. Durch den Spalt kam er auch nicht mehr hinaus, er war einfach zu dick! So legte er sich hin und am nächsten Morgen fand ihn die Museumsführerin schlafend auf. Aus der Sicht des Museums: Es hat immer wieder auch Marder als Gäste im Kloster. Sie halten sich vor allem im Estrich auf, auch im Kirchenestrich. Gott sei Dank ist noch keiner Museumsmitarbeiterin ein Marder im Museum ü

Frieda und Ursina,


Die Schatztruhe und ihr Geheimnis

Diese Geschichte spielte sich im 17. Jahrhundert ab. Damals war es Brauch, dass fast von jeder Familie eine Tochter ins Kloster ging. So auch bei einer aristokratischen Familie, bei der die Tochter eine reiche Aussteuer ins Kloster nehmen durfte. Unter ihrer reichen Aussteuer befand sich eine kleine Schatztruhe, die sie von einem sehr lieben Menschen geschenkt bekommen hatte: ein wunderbares Kästchen mit vielen kleinen Truhen, obenauf ein gewölbtes Fach mit Deckel für Briefe und Ähnliches. In der Mitte des Kästchens befand sich ein grösseres leeres Fach, dort konnte man eine kleine Statue oder etwas anderes hinein stellen. Das war das Lieblingskästchen der jungen Frau, die da ins Kloster St. Johann zu Müstair eintrat. Alles, was man ins Kloster mitbringt, muss man der Äbtissin zeigen, und diese entscheidet, ob man etwas behalten darf oder nicht. Unsere junge Tochter wusste das, und daheim entfernte sie aus dem Kästchen, was sie der Äbtissin unter gar keinen Umständen zeigen wollte, denn sowas hätte sie unmöglich behalten dürfen. So befand sich im Kästchen lauter belangloses Zeug wie Nähfaden, Nadeln, Fingerhüte, Knöpfe und dergleichen. Das Kostbarste ihrer Schatz

Monica, Priorin Domenica,


Knochenflöte Karls des Grossen

Karolingische Knochenflöte 775 also zog Karl der Grosse nach seiner Krönung zum Langobardenkönig über den Umbrailpass, und geriet hier mitten im Juli in einen deftigen Schneesturm. Aus Dank diesem Schneesturm heil entronnen zu sein liess er es sich, heil im Tal angekommen, gut ergehen. Sein Trupp stellte ein riesiges Zeltlager auf und es wurde getanzt, getrunken und gefeiert. Die Musikanten spielten dabei unter anderem auf solchen Knochenflöten. Mitten in dieser Feier, bei welcher Karl ausgelassen mitfeierte, soll er ganz euphorisch ausgerufen haben: Ich spüre hier auf diesem Fleckchen Erde eine immense Kraft, hier fühlt es sich so gut an, dass ich hier, genau hier, ein Kloster bauen will. Diese Knochenflöten sind übrigens aus Bärenknochen hergestellt, weil Karl der Grosse selbst ein sehr passionierter Bärenjäger war. Auf dieser hier ausgestellten Knochenflöte hat Karl sogar höchstpersönlich gespielt, denn diese Flöte wurde wissenschaftlich untersucht und man fand darauf DNA-Spuren des grossen Herrschers selbst. Aus der Sicht des Museums: Die Legend erzählt uns vom Schneesturm, der Passüberquerung Karls des Grossen und seinem Gelübde. Die Dendro

Karin und Jolanda,


Von vierbeinigen Hühnern und Schlangensuppe

Nach der Regel des Heiligen Benedikt von Nursia wurde im Kloster auf das Essen von Fleisch vierfüssiger Tiere verzichtet. Die Schwestern wollten sich damit jedoch nicht abfinden und liessen sich etwas einfallen - in diesem grösseren Käfig hielten sie sich vierbeinige Hühner, die sie nun jeden Freitag mit Genuss verzehrten und im oberen, kleineren Käfig Schlangen. Diese waren der Gipfel des Genusses und wurden nur am Aschermittwoch als wunderbare und einzigartige Schlangensuppe verspeist. Aus der Sicht des Museums: In der Benediktsregel steht geschrieben: "Auf das Fleisch vierfüssiger Tiere sollen alle verzichten, ausser die ganz schwachen Kranken" (RB 39,11). Heute wird diese Regel nicht mehr so wörtlich genommen. Allerdings wird Freitags und vor allem in der Fastenzeit auf Fleisch verzichtet. Das Möbel, das wir hier sehen, ist kein Käfig, sondern ein Aufbewahrungsschrank für Nahrungsmittel, an denen dank des feinen Gitters weder Fliegen noch Mäuse rankommen.

Marion,


 
Zur "Elfenorgel" - Die Sicht des Museums

Es handelt sich hier sehr wohl um eine Tischorgel aus dem 17. Jahrhundert, aber der Klang dieses Instrumentes ist wahrlich nicht lieblich, sondern schnarrend, da die Orgel nur aus Zungenpfeifen besteht. Das habsburgische Wappen, sowie ein Papier, das sich auf der Innenseite des Blasbalges befand (vermutlich Transport- und Zollpapier), weisen darauf hin, dass das Instrument aus dem Tirol Gebiet kam. Dass Musik in einem Kloster wichtig war, ist unumstritten. Ob die Klosterfrauen zu dieser Zeit auch getanzt haben, lassen wir offen. In unserer Klosterkirche ist jedenfalls in der MIttelapsis eine tanzende Salome abgebildet.

Elke, 44


Klosterfrauen schwingen das Tanzbein zur Musik der Elfenorgel

Diese Tischorgel wird Elfenorgel genannt, weil sie einen süssen, lieblichen, harmonischen Klang hat. Sie ist aus dem 17. Jh. und gehörte unserer damaligen Äbtissin Ursula Karl von Hohenbalken. Ursula war als Äbtissin viel auf Auslandreisen unterwegs. Und auf einer dieser Reisen stolperte sie über eine solche Elfenorgel am Hofe eines Palastes. Sie wollte unbedingt auch solch eine Orgel besitzen und erzählte ihren sehnlichsten Wunsch ihrem Liebhaber Leopold I. von Habsburg. Um seiner Geliebten eine Freude zu machen, liess Leopold eine solche Elfenorgel herstellen. Das Elfenbein für die Tasten liess er sogar aus dem fernen Afrika importieren. Um das historische Instrument als "sein" Geschenk zu Kennzeichnen, liess Leopold auch das habsburgische Wappen auf die Tischorgel malen. Ursulas Elfenorgel wurde im Refektorium aufgestellt. Während dem Essen wurde zu Ursulas Zeit als Äbtissin nicht gelesen, sondern auf ihrer Lieblingsorgel Musik gespielt. Und einmal pro Woche wurde ein Tanzabend veranstaltet. An ebendiesen Abenden spielte Ursula Karl von Hohenbalken höchstpersönlich auf ihrer Elfenorgel, während die Nonnen das Tanzbein schwangen.

Miryam und Silvia,