Gim - Generationen im Museum

GiM-Anlass

7. Mai 2017, 10.00

Sagen erfinden

Freiämter Sagenweg

Mit dem Grossvater, der Nachbarin, dem Patenkind oder einer Freundin: Freiämter Generationen-Paare lassen sich ein auf die Skulpturen im Waltenschwiler Wald: Was 12 KünstlerInne geschaffen haben, inspiriert die Generationentandems zu eigenen Geschichten. Nach einer Pause geht die ganze Gruppe gemeinsam zu den Sagenskulpturen, hört die erfundenen Generationen-Sagen. Dann stellt die Kulturvermittlerin Irene Briner vor, wie die alten Freiämter Sagen überliefert sind. Mit den Erzählungen und Hintergrundinformationen zu den Kunstwerken und der Freiämter Geschichte wird dieser erste GiM-Anlass auf dem Freiämter Sagenweg zum nachahmenswerten Erlebnis.
 

 

Freilichtmuseum Freiämter Sagenweg

Dieses Museum besteht aus Kunstwerken und den dazu passenden Sagen. Es ist im Freien und ohne ein festes Gebäude. Die mystische Umgebung rund um den Erdmannlistein im Waltenschwiler Wald strahlt von jeher eine unerklärliche Anziehungskraft aus. Dort beginnt ein erlebnisreicher Spaziergang in die geheimnisvolle Welt der Freiämter Sagen. Eine Zeitreise – zurück in die Vergangenheit – aber auch in die grenzenlose Fantasie jeder Besucherin und jedes Besuchers. Das Freilichtmuseum Freiämter Sagenweg ist Teil des Freiämterweges zwischen dem Erdmannlistein und dem Tierpark Waltenschwil. Die Besucher können die Sagen vor Ort lesen oder von ihrem mitgebrachten Smartphone auch hören.

 

Erlebnis Freiamt
c/o Muri Info
Marktstrasse 4
5630 Muri

T +41 56 664 70 11

 

5 Geschichten
Flieg Drache, flieg!

Der Holzdrache liegt auf seinem Bänkli. Wir berühren ihn. Da bewegt er sich. „Setzt euch zu mir. Habt ihr etwas auf dem Herzen, erzählt es mir. Ich bin sozusagen der Dalai lama der Drachen“, sagt er. „Hier sitzen oft Menschen, die Sorgen haben. Ich höre zu und werde dafür ein paar Stunden lebendig. Ich geniesse mein Drachenleben. Es muss aber jemand auf der Bank sitzen bis ich wiederkomme. Bleibt ihr?“ Und schon dreht er fröhlich seine Runden über den Baumkronen. Die Menschen auf dem Sagenweg staunen. Schon bald landet er wieder auf seinem Platz. „Wisst ihr“, sagt er, „ich darf den Ratschlag meines Grossvaters nie vergessen. Flieg nie bis zum Mond, hat er gesagt. Denn dort ist eine Drachenabwehrarmee. Die meisten Drachen sind auf dem Mond umgekommen, deshalb gibt es nur noch wenige von uns. Weil die Jungen einfach nicht auf die Alten hören wollten!“ Wir stehen auf. Der Drache aus Holz wartet still auf Dich. Komm, erzähl ihm Deine Sorgen. Wir wollen ihn fliegen sehen.

Alice Trolese 74, Marcel Groux, 28


Sagen erfinden im Regen

Regen, Sumpf, Glungge, Kälte. Das sind genau die Zutaten, die es braucht, um neue Sagen zu erfinden. Und sie passen hervorragend zum Freiämter Sagenweg. Die Generationenpaare am 7. Mai brauchten nur einen kleinen Schubs von mir als Kulturvermittlerin. Dann sprudelten die Geschichten. Die Worte flossen wie der Regen vom Himmel durch das frühlingsgrüne Blätterdach. Alle hätten noch lange weitermachen können. Der Zwerg von Muri hätte noch etwas zu erzählen gehabt und die tanzenden Reussjumpferen auch. Wenn nur das feuchte Papier die Buchstaben angenommen hätte... Wir kommen wieder. Auch wenn die Sonne scheint. Dann erfinden wir Geschichten von sagenhaften Goldschätzen. Bis dann!

Irene, 61


Licht und Schatten

Aus dem Leben eines mehrjährigen Tannenbaumes Unter meinen Zweigen: Walderdbeeren, Waldmeister, Tannenzapfen und Waldboden, natürlich auch Regenwürmer, Ameisen, vermodertes Laub und verdorrte Äste. Über mir eine riesengrosse, alte Tanne, die mir Licht nimmt und mich auf einer Seite beim Wachsen behindert. So strecke ich meine Äste auf der einen Seite, gegen den Fahrweg hin, ins Licht. Auf der anderen Seite bilde ich keine neuen Triebe, es lohnt sich nicht. An heissen Tagen profitiere ich vom Schatten der alten Tanne, dann freue ich mich über die Sonnenstrahlen, welche nur zaghaft bis zu mir gelangen und mich wärmen, ohne meinen Stamm zu beschädigen. Licht und Schatten, Liebe und Fürsorge, beides braucht auch der Mensch zum Wachsen und gedeihen, beides in einem ausgewogenen Mass.

Rosmarie Groux 62, Alex Schaufelbühl, 49


Der weinende Brönnlig

Der Brönnlig weint und weint und weint… Er hat eine Buchennüsslischale verloren, die er so gern hat. Die Buchennüsslischale freut sich über ihre Freiheit. Sie rollt zu den Rehen ins Tiergehege. Aber die sind enttäuscht, weil die Nüsschen schon aus der Schale gefallen sind. Die leere Schale bleibt liegen. Ein Eichhörnchen interessiert sich dafür. Schwupps kommt sie ins Eichhörnchenmaul und zuoberst auf einen Baum. Jetzt merkt das Eichhörnchen, dass die Schale leer ist. Enttäuscht lässt es die Schale fallen. Direkt auf den Kopf vom Brönnlig. Der freut sich so sehr, dass sein Buchennüsschen zurück ist, dass er vor Freude brennt und brennt… das Buchennüsschen verbrennt.

Regula Waldispühl 68, Margrit Konrad, 55


Efeu im Wind

Das Efeu kletterte ein neugeborenes Efeublatt weiter zur Baumkrone hinauf. Karl, die grimmige Skulptur schaute, wie halt eine grimmige Skulptur schaut. Den grimmigen Gesichtsaudruck können wir auf ein Ereignis zurückführen: Er vermisst nämlich die Nähe von Kathrin, so taufte Karl die Efeupflanze, welche an ihm vor genau 311 Tagen abgerissen wurde. Sie wurde zur Efeukrone geformt, welche für 5 Minuten auf dem Haupt des neugeborenen Königs verweilte, ehe sie sich auf den Weg zum königlichen Komposthaufen machte. So blies Karl, die Skulptur, dass sich die Bäume bogen und das neugeborene Efeublättchen sich wundernd in den Luftzug legte.

Marcel Groux 28, Alice Trolese, 74